Als Guido W.* vor einiger Zeit mit einem Fremdsprachendebakel auf seine mangelhaften kommunikativen Fähigkeiten aufmerksam machte, so teilte er doch mit dem sinngemäßen Satz "Wir sind hier in Deutschland." den selben Gedanken mit vielen Germanen. In seiner Rede "Die deutsche Sprache in der Welt" betont er subtil die zentrale Rolle der deutschen Sprache: "Deutsch als Sprache im Herzen. Deutsch als Sprache im Herzen Europas. Sie ist wichtiger Teil unserer europäischen Identität."
Wir schreiben das Jahr I der deutschen Sprache. W. möchte künftig noch mehr (junge) Europäer zum Deutschlernen animieren. Goethe soll helfen. Nur 14,5 Millionen Menschen weltweit lernen Deutsch. Da geht noch was!
W.'s Forderungen zur Verbreitung der "wunderschönen Sprache" sind kein Einzelfall, wie ein Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte zeigt. Bei Schwörer lesen wir: "Die großen Zukunftshoffnungen des deutschen Volkes haben sich auch auf das wichtige sprachliche Gebiet ausgedehnt. Man sucht nach Mitteln, um unserer noch lange nicht genug verbreiteten Sprache und damit auch dem deutschen Einfluß und Handel neue große Gebiete zu erschließen." (Emil Schwörer: Kolonial-Deutsch,... München 1916, S. 5.)
Kommt uns das bekannt vor? Bereits seit unzähligen Jahren entsenden die Deutschen viele kleine Germanismen in die Welt, um potenzielle neue Kolonien mit der deutschen Mentalität vertraut zu machen. Und wenn durch den Konsum von Schnitzel, Bratwurst und Brezel in der Kaffeepause die deutsche Gemütlichkeit zur vollständigen physischen Erlahmung führt, schlagen wir mit einem Blitzkrieg zu. Weltschmerz & Besserwisser inklusive. Um das Deutsche endgültig als quasiuniversales Kommunikationsmittel zu etablieren, bedarf es jedoch einiger sprachlicher Umstrukturierungen und Vereinfachungen, "damit endlich ein undeutscher, auf die Dauer unmöglicher Zustand sein Ende finde" (Schwörer 1916:7).
Besonders der Umfang des Wortschatzes kann erheblich minimiert werden. Die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes liegt derzeit zwischen 300,000 und 500,000 Lexemen. Doch Abhilfe naht. Ein amtliches Wortverzeichnis legt die für Kolonial-Deutsch gebräuchlichen Wörter fest, Abweichungen vom Vokabular sind wegen der allgemeinen Verständlichkeit nicht zu tolerieren. "Vor Allem ist davon auszugehen, daß der erforderliche Wortvorrat des Eingeborenen (übrigens auch des ungebildeten Europäers) ein überraschend geringer ist und daß er mit 300 bis 500 Wörtern nahezu Alles ausdrücken kann, was für die dortigen, meist primitiven Verhältnisse nötig ist." (Schwörer 1916:17) Bei dieser radikalen Kürzung sind bei der Auswahl solche Wörter zu bevorzugen, welche für die Eingeborenen leicht auszusprechen sind. Damit hat die Anbiederung des Fremdsprachenlernens unter dem Deckmantel der "interkulturellen Kommunikation" endlich ein Ende. "Der Deutsche neigt ja bekanntlich ohnehin viel zu sehr dazu, im Auslande und sogar in den eigenen Kolonien sich fremder Sprache und Gewohnheit zu unterwerfen." (Schwörer 1916:12)
Diese reduzierte Form des Deutschen wäre aber nicht nur als internationales Verständigungsmittel hilfreich, sondern könnte auch in Deutschland zu Diensten sein. Hier ist besonders an die vielen Immigranten zu denken, die sich zum Teil der neuen Sprache verweigern. Da sich Kolonial-Deutsch prinzipiell als Vorstufe zum schriftlichen Hochdeutsch versteht, ist es auch hervorragend als erste Sprache für deutsche Kinder geeignet. Den immer schwächer werdenden Lese- und Schreibfähigkeiten kann so eine Sprachstufe entgegengesetzt werden, deren Niveau auch weniger begabte Kinder erreichen können. Lehrer müssten sich zukünftig keine Sorgen mehr um heterogene Klassen machen, sondern könnten Schüler mit und ohne Migrationshintergrund problemlos gemeinsam unterrichten. Die Schulzeit könnte ebenfalls noch weiter reduziert werden, denn für das Erlernen von Kolonial-Deutsch werden maximal 3 Monate benötigt.
Und vielleicht werden auch wir in absehbarer Zeit Zeuge eines Sprachwunders, wenn wir beim Dönerkauf den Verkäufer sagen hören: "De neue Sprache ist gut ...; de ist leicht für uns, weil de hat nit viele Worten. Ich habe können sagen keine deutsche Wort vor fünf oder sechs Monaten. Niemand tat verstehen mir am Anfang. Das ist gewesen nit gut für meine Arbeit. ... In eine oder zwei Jahren ich will nehmen eine feine Frau und will bauen eine gute Hütte." (Schwörer 1916:56)
Ab heute gibt es auf MADmag.de eine neue Bilderserie. gezeigt werden unterschiedliche, alle gleich unwitzige, Abbildungen und Fotos von MAD, Alfred E. Neumann und alles was damit zu tun hat.
Wir fangen heute mit einem extrem coolen Graffiti aus New York an. Vielen Dank an Lois Stavsky für dieses Foto, mehr von ihr könnt ihr hier sehen!!